Dancong Oolong – fruchtig-beeriges Erlebnis vom Phoenix Berg

fruchtig-beeriges Aroma ist für den Phoenix dancong obligatorischfruchtig-beeriges Aroma ist für den Phoenix Dancong obligatorisch

Phoenix dancong Oolong vom Phoenix Berg in Guangdong, China

Der Dancong Oolong, oft auch als Dan Cong oder Phoenix Dancong bezeichnet, ist ein außergewöhnlicher Oolong aus der chinesischen Region Guangdong. Der echte Phoenix dancong wird am Phoenix Berg angebaut (Feng-Huan Shan), welcher sich in der Nähe von Chaozhou Stadt befindet.

Der Dancong wird von einzelnen großen Teebüschen geerntet, die individuell bewirtschaftet und gepflegt werden. Hierher rührt auch der Name: „Dan“(单) bedeutet „einzelner“ und „Cong“(丛) „Busch“. Diese Büsche werden nicht mit Maschinen bearbeitet, sondern die Ernte erfolgt beim Dancong ausschließlich per Hand.

Dancong wird ausschließlich per Hand geerntet

Nach der Ernte wird der Tee erst mal zum Welken an die frische Luft gebracht. Dies geschieht auf Bambusmatten, wo der Tee circa eine halbe Stunde welkt. Die Welkzeit hängt sehr stark von der Außentemperatur ab. Wenn es sehr heiß ist (über 30 Grad), reicht auch eine Welkzeit von 15 Minuten. Der Tee hat nun circa 10 Prozent seiner Flüssigkeit verloren. Anschließend wird der Welkprozess drinnen in den Räumlichkeiten der Teeplantage fortgesetzt. Dies dauert weitere 1-2 Stunden. Aber wie kommt es dazu, dass ein Tee so fruchtig und beerig schmecken kann, obwohl er über keinerlei Zusatzstoffe verfügt? Es liegt ganz einfach an der weiteren Verarbeitung des Dancongs.

Die Verarbeitung des Dancongs führt zu dem fruchtigen Aroma

Dancong ist ein Tee welcher zu circa 30 Prozent oxidiert ist. Beim trockenen Blatt erkennt man die Oxidationsrate noch nicht so gut, beim nassen Blatt ist dies aber besser zu sehen. Das Bild zeigt das nasse Blatt des Phoenix Dancongs, welches aus überwiegend grünen und roten Blättern besteht.

Das feuchte Blatt ist nicht mehr dunkel - vielmehr bestimmen erdige Grün- und Brauntöne das Gesamtbild

Das feuchte Blatt ist nicht mehr dunkel – vielmehr bestimmen erdige Grün- und Brauntöne das Gesamtbild

Der Oxidationsprozess wird per Hand in Gang gesetzt. Hierfür werden die gewelkten Blätter vorsichtig auf eine Bambus Platte gelegt – zwei Mitarbeiter bewegen die Platte vorsichtig hin und her, sodass die Zellstruktur des Blattes verletzt wird und der Zellsaft austreten kann, was zu einer Oxidation führt. Dieser Vorgang ist der entscheidende Vorgang im Verarbeitungsprozess des dancong Tees. Eine Oxidationsrate von maximal 30 Prozent ist ideal für den weiteren Verarbeitungsprozess. Nachdem der Oxidationsgrad erreicht ist, wird das Blatt in einer Bambusschüssel in die richtige Form gebracht. Dieser Prozess kann sich 5-mal wiederholen, bis der endgültige Oxidationsgrad und die richtige Form erreicht ist. Die Blätter sollten nun schön fruchtig und blumig riechen, der unangenehme und scharfe Grasgeruch des geschwungenen Blattes sollte nun vollends verflogen sein. Der Tee wird nun eine Stunde ruhen gelassen, während der Röstungsprozess vorbereitet wird.

Die Oxidation wird durch eine Pfannenröstung über Holzkohle gestoppt

Der Dancong wird zur weiteren Verarbeitung in eine Wok ähnliche Pfanne gegeben. Bei einer Temperatur von 150 Grad wird der Tee über Holzkohle geröstet. Durch die enorme Hitze wird die Oxidation gestoppt und der Dancong wieder biegsam. Anschließend wird der Tee bei Hand gerollt und in die richtige Form gebracht, während er noch warm ist. Eine weitere Röstung sorgt dafür, dass der Tee die letzten krautigen und grasigen Nuancen verliert und sich die fruchtigen und süßlichen Aromen weiter ausbreiten können. Zum Schluss wird der Dancong getrocknet. Hierfür wird der Tee in Bambuskörbe gelegt und über Holzkohle leicht erhitzt, bis der Tee eine Restfeuchtigkeit von circa 5 Prozent aufweist.

Das trockene Blatt ist dünn, schillernd und dunkel

Das trockene Blatt ist dünn, schillernd und dunkel

Zubereitungsempfehlung für Phoenix Dancong – Tip and Go

Bei der Zubereitung für Phoenix Dancong empfehle ich Ihnen die Zubereitung im Gaiwan. Allerdings gibt es beim Phoenix Dancong einige Besonderheiten, auf die Sie achten sollten. Das wichtigste Vorweg: Die Ziehzeiten beim Phoenix Dancong sind sehr, sehr kurz. Dieser Aufgussstil wird im englischsprachigen Raum auch als Tip and Go bezeichnet. Aber wie sollte die Ziehzeit eigentlich definiert werden? Die Ziehzeit ist das Zeitfenster, in dem der Tee keine äußeren Einwirkungen erfährt – Indem er also ruht, bzw. in der Kanne zirkuliert. Das Eingießen des Wassers und das Ausgießen zählen also nicht zur Ziehzeit hinzu. Dies ist meine persönliche Definition. Nehmen Sie kleine Tassen und einen Gaiwan für den optimalen Teegenuss

kleine Tassen (30 ml) und die Zubereitung im Gaiwan (100 ml) sind perfekt

kleine Tassen (30 ml) und die Zubereitung im Gaiwan (100 ml) sind perfekt

Wie dem auch sei, sie können sich an folgenden Ziehzeiten beim Dancong orientieren:

  1. Aufguss: 15 Sekunden
  2. Aufguss: 10 Sekunden
  3. Aufguss: 10 Sekunden
  4. Aufguss: 15 Sekunden
  5. Aufguss: 20 Sekunden

 

Wasser 100 Grad und direkt auf das Blatt gießen - Tipp and Go!

Wasser 100 Grad und direkt auf das Blatt gießen – Tipp and Go!

Prinzipiell gilt die Regel: Je besser der Dancong, desto geringer die Ziehzeit und desto mehr Aufgüsse sind möglich.

Dancong hat Nuancen von Beeren, Litschi, Pfirsich und Pflaume

Obwohl der Tee über Holzkohle geröstet ist, hat ein guter Dancong nur sehr geringe Röstaromen. Vor allem überwiegen fruchtige Aromen wie Beeren (Cranberry, Himbeere, Blaubeere), Pflaumen, Pfirsich und Litschi. Einen guten Dancong macht unter anderem aus, dass er keine krautigen und grasigen Aromen (gepaart mit Röstaromen) verkörpert, sondern spritzig und fruchtig schmeckt. Günstige Dancongs schmecken teilweise „seifig“. Dies rührt von einer Unausgewogenheit des Tees her: Die Adstringenz ist zu stark vorhanden und setzt zu früh ein. Eine ausgewogene Adstringenz führt im Abgang zu einer langanhaltenden, frischen Süße.

fruchtig-beeriges Aroma ist für den Phoenix dancong obligatorisch

fruchtig-beeriges Aroma ist für den Phoenix Dancong obligatorisch

Die Farbe des Aufgusses ist orange – sehr mild und besitzt Anklänge von Terrakotta.

Aufgussfarbe - ein mildes Orange mit Anklängen von Terrakotta

Aufgussfarbe – ein mildes Orange mit Anklängen von Terrakotta

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein Bild vom Phoenix Dancong zeigen, wie Sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht gesehen haben. Ich habe das trockene Blatt unter einem digitalen Kameramikroskop vergrößert und es sieht folgendermaßen aus

Phoenix Dan Cong unter dem digitalen Kameramikroskop

Phoenix Dan Cong unter dem digitalen Kameramikroskop

Man erkennt gut die geschwungene Form des Blattes die relativ gleichmäßige Blattstruktur. Ich hoffe, Ihnen hat der Artikel gefallen und Sie haben einige Neuigkeiten über eine Teesorte erfahren, die in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Sollten Sie weitere Fragen haben, schreiben Sie mir ihr Anliegen unten in das Kommentarfeld oder schreiben Sie mir auf meiner Facebookseite. Wie bei jedem guten Tee gibt es auch bei Dancongs verschiedene Unterarten, welche verschieden schmecken. In weiteren Beiträgen werde ich auf diese verschiedenen Kultivare eingehen.

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